Ein erster Blick

Moralvorstellungen in „Catherine“

In diesem Teil des Dossiers sollen moralische Fragen und Bewertungen im Videospiel „Catherine“ analysiert werden. Grundlage dafür sind die im Verlauf der dargestellten Charaktere und deren Handlungen. Ebenso wichtig sind jedoch sogenannte „Beichtstuhl-Fragen“. Der Spieler muss sich am Ende eines Levels zwischen zwei Antworten auf eine meist moralische Frage auswählen.  Die Antworten haben Auswirkungen auf eine Art „Moralindex“. Der Ausschlag ist mit rot und blau, bzw. Teufel und Engel gekennzeichnet. Trotz der mehr oder minder neutralen Bezeichnung „Law“ und „Chaos“ für Gewissensentscheidungen, schwingt eine Bewertung in der Unterscheidung mit. Die Analysen sind in folgende zentrale Untergruppen aufgeteilt:

 Ehe

Beziehung

Alkohol

Sex

Freunde

Beruf und Konkurrenz

An jedem Ende einer Analyse wartet eine Entscheidungsfrage. Je nach Antwort werden Sie zum nächsten Thema weitergeleitet.

 

© Michael Swoboda & Niklas Tröschel // Wintersemester 2017/2018

Catherine und die Psyche

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Auch wenn Cover und Aufmachung des Spiels etwas anderes vermuten lassen, handelt es sich bei Catherine um ein hochmoralisches, als auch ein psychologisch durchaus komplexes Adventure. Wagen wir einen näheren Blick, warum das so ist:

Das Spiel mit den Stimmen

Unser Spielcharakter, der junge Mann Vince, durchlebt in dieser Geschichte eine für ihn äußerst herausfordernde Lebenskrise im Wechselbad der Zuwendungen zwischen seiner festen Freundin Katherine und seiner Affäre Catherine.

Ständig muss er die Enthüllung seiner Beziehung mit der Einen gegenüber der Anderen fürchten. Kein Wunder, dass es Catherine ein Leichtes ist, Elemente der Schizophrenie in die Story einzuweben. Ein beliebtes Mittel ist dabei das Hören von mysteriösen Stimmen, die keiner körperlichen Entität zugehörig scheinen.

So auch hier: Eine ständig wiederkehrende Stimme ist in Vince‘ Albträumen diejenige, der er im Beichtstuhl am Ende eines Levelabschnittes moralische Fragen beantwortet. Zum Ende des Spiels hin gibt die Stimme zwar Hinweise auf ihre Identität, aber der Träger oder die Trägerin der Stimme ist nie zu sehen und man könnte ebenso gut meinen, Vince handle hier mit sich selbst jene moralischen Fragen aus, die für seine Entscheidungsfindung in der realen Welt von Belang sind. Auch im „Diesseits“ spricht unser Held in für ihn kniffligen Situationen mit seiner inneren Stimme.

Leicht zu übersehen, bzw. -hören, ist indes die Stimme des, als selbstverständlich hingenommenen Erklärers in den Jump-‘n‘-Run-Passagen der Traumwelt. Deutet man diese Welt als erweiterte Realität von Vince‘ Psyche, könnte man zu der Auffassung kommen, dass sich Vince hiermit selbst die instinktiv richtigen Anweisungen zum Handeln und Überleben im Traum gibt.

Spiegelnde Traumwelt

Folgt man dieser psychoanalytischen Traumdeutung, findet man viele einleuchtende Parallelen zwischen Traum und Realität (auch wenn die Grenzen bis zuletzt verschwommen bleiben mögen). Ein großer Teil dessen, was Vince allabendlich in seinem Stammlokal Stray Sheep umgibt, findet sich ähnlich in seinen Albträumen wieder.

Der grundsätzlich gleiche Aufbau aller Traumabschnitte, das Erklimmen eines Turms aus Blöcken ist derselbe wie das Spielprinzip des Arcade-Games Rapunzel, welches im Stray Sheep steht und auch von Vince gespielt werden kann. Fast alle männlichen Gäste, die Vince im Lokal unterkommen, haben letztlich auch ihren Auftritt in Vince‘ Träumen und, nicht zu vergessen, erscheinen sie dort allesamt als ‚Stray Sheep‘: als streunende Schafe.

Umgekehrt widerfahren Vince auf der Bartoilette jeden Abend Visionen, die Hinweise auf den Bossgegner der kommenden Nacht geben. Unter anderem sind dies Horrorversionen eines Babys oder auch seiner festen Freundin Katherine in einem Brautkleid. Die Endgegner in seinen Träumen sind Manifestationen seiner größten Ängste, u.a. Bindungsängste, mit denen er sich gleichzeitig tagsüber auseinandersetzen muss, wie z.B. vor einer Heirat oder einem gemeinsamen Kind mit Katherine.

Wir alle sind Vince

Catherine kann deshalb eine so immersive Spielerfahrung sein, weil viele – nicht nur männliche, sondern auch weibliche Spieler – sich in solche psychologischen Vorgänge gut hineinversetzen können. Auch wir können im Traum die vielen Realitäten, die uns umgeben, oft nicht mehr auseinanderhalten und projizieren in den abstrusesten Traum eine gewisse Wirklichkeitsmöglichkeit.

Auch die klassischen Albtraumstrukturen, mit denen Catherine spielt, laden die Spielenden mit simplen Mitteln ins Mitfiebern ein. Nach oben klettern ist gut, bedeutet Überleben, bedeutet den – graphisch mit Wolken, Engeln, Beichtstuhl, Glocke und Pforte – sehr explizit dargestellten Himmel. Unter dem Zeitdruck, unter dem der Spieler oder die Spielerin steht, kommt es einem so vor, als müsste man Vince mit allen Mitteln an die Wasseroberfläche schwimmen lassen, damit er wieder atmen kann und man selbst im letzten Moment das eigene Erfolgserlebnis hat. Nach unten zu fallen bedeutet hingegen nicht einfach das Erwachen aus dem Traum, sondern schlicht Hölle und Tod. So beginnt man mit dem Kraxeln in Friedhof und Folterkammer und findet die Erlösung schließlich im Himmel selbst.

Mit einem anderen Mittel zu Beginn des Spiels, will Catherine das zockende Subjekt seiner selbst in dieser Geschichte ebenfalls bewusstmachen. Bevor Vince‘ Story überhaupt beginnt, wird sie einem Framing durch den Charakter Trisha unterzogen. So wird die Geschichte als fiktionale TV-Serie in der Reihe Golden Playhouse eingeführt und immer wieder als solche gekennzeichnet. So wird der/die SpielerIn zwar immer wieder aus der Story herausgeholt, aber gleichzeitig auch ein spezieller Realitätsbezug zu einem selbst etabliert. Was, wenn auch unsere eigene Realität nur Teil eines solchen Frames ist?

Die (männliche) Psyche – so simpel?

Schließlich spielt Catherine auch mit der weit verbreiteten Auffassung einer angeblich sehr simplen (Sexual-)Psychologie des Menschen, vor allem der des Mannes. Auf den ersten Blick erscheint alles wie eine sehr einfache, schwarz-weiß gestrickte Story. Vince muss sich im Prinzip nur zwischen dem Guten, der Beziehung mit Freundin Katherine, und dem Bösen, der Affäre mit Catherine, entscheiden. Das Spiel versucht uns aber zu zeigen, dass es so leicht nicht sein kann, Vince einfach als Hormongesteuerten zu verstehen.

In der Tat präsentiert uns das Adventure im Grunde die gesamte Geschichte und die Entscheidungen, die man treffen kann, die moralischen Fragen, die man Catherine/Katherine/der Stimme im Beichtstuhl beantworten muss im Grunde in schlichten Gegensatzlogiken. Es gibt immer zwei Antwortmöglichkeiten. Das „Moral-o-Meter“, das sich jedes Mal neu einpendelt, präsentiert uns an seinen zwei Enden ein Engelchen und ein Teufelchen. Es wird sich jedoch davor gehütet, diese Gegensätze einfach „Gut“ und „Böse“ zu nennen.

Stattdessen wird viel eher von „Ordnung“ und „Chaos“ gesprochen. Und wer mag schon von sich selbst behaupten, neben Stabilität im Leben nicht auch ab und an etwas impulsgeleitete Freizügigkeit zu schätzen? So wird in Catherine aus dem Schwarz-Weiß ein Grau-in-Grau. Aus der festen Freundin wird aus einem anderen Blickwinkel eine Beziehungspolizistin, die Vince keinen Raum zum eigenen Willen und keine Luft zum Atmen lässt. Aus der Affäre kann so eine legitime Erlöserin aus diesem tyrannischen Regime werden. Und aus zwei verfolgbaren Prinzipien werden acht mögliche Spielenden, je nachdem in welcher moralischen Grauzone der Skala man sich letztlich befindet.

Liebe als Entscheidungsprozess

Der psychologisch entscheidende Kern ist hier nicht, wie man sich entscheidet, sondern die Masse der Entscheidungen selbst. Es ist der Zwang zur Entscheidung, der charakteristisch ist für Vince‘ Generation, für seine frühe Midlife-Crisis oder eher sein spätes Coming-of-Age. Die Entscheidung selbst ist nicht wichtig. Die Gesellschaft und die meisten Charaktere im Spiel mögen auf Anhieb den Weg des Seitensprungs verurteilen, aber das Spiel selbst verurteilt nicht, alle Wege sind gleichberechtigt.

Es gibt einem nur zu verstehen, dass die Liebe, wie vieles im Leben, ein Arbeitsprozess ist. Sei es die Geschichte eines letztlich treuen Freundes, der die Beziehung auch durch die Untiefen einer geheimen Liebschaft zu navigieren vermag oder der Mann, der nach langem Überlegen doch schließlich lieber auf seine eigenen Freiheiten, als auf die Zwänge einer Beziehung baut. Die Message ist, dass wir zwangsläufig mit vielen Entscheidungen konfrontiert werden, aber dass wir diese definitiv treffen müssen.

Denn, so wird es uns als die wahre Seuche, vor allem unter jungen Männern, gezeigt: Dem wahren Untergang sind die geweiht, die sich nicht entscheiden. Sei es in der Realität zwischen zwei Lebenswegen oder, ob wir im Traum diesen einen Block aus dem Turm ziehen sollten oder nicht.

© Robin Laumeyer // Wintersemester 2017/2018

Sexting

Eine Thematik, die im Spiel besonders heraussticht ist Sexting. Sexting ist ein Trend, welcher sich seit dem Beginn der Multimedia Messaging Services wie Whatsapp, Snapchat oder Facebook, verstärkt durch die Nutzung von Smartphones verbreitet hat.

Sexting kommt aus dem amerikanischen Raum und setzt sich aus den Wörtern „Sex“ und „Texting“ zusammen und bedeutet nichts weiter als das Versenden von erotischen Textnachrichten, sowie sexuellem Bildmaterial.
Dieser Trend wird vor allem stark von Teenagern bzw. jungen Erwachsenen praktiziert, sei es, um miteinander zu flirten, Sextreffen auszumachen, zur sexuellen Selbstinszenierung oder zur Bestätigung des eigenen Egos.

Hier in Deutschland wurde das Thema in den Jahren 2013/2014 lauter. Grund dafür waren erste Lehrer, welche vermehrt Eltern als auch Schüler vor dem anbahnenden Trend gewarnt haben. Ebenso traten vermehrt Meldungen in den Medien auf, bei denen Schülerinnen und Schüler Nacktfotos von Mitschülern meldeten, welche im Internet ihre Runden machten. Einmal kursierende Fotos können die betroffene Person auf unterschiedlichste Weise schädigen. Sie können schwere Schäden in der Psyche eines heranwachsenden Menschen verursachen, als Erpressungsmittel verwendet werden sowie als Mittel zum Rufmord fungieren. (Handysektor erklärt: Was ist eigentlich Sexting?)

Im Spiel macht sich Sexting durch versandte anzügliche Nachrichten der Antagonistin Catherine übers Handy bemerkbar.
Während der Story hat man die Möglichkeit über sein Handy Nachrichten anderer Personen zu empfangen. Dabei schickt Catherine Vincent Brooks, dem Protagonisten, immer wieder Nacktfotos, um ihn zu erpressen und somit an sich zu binden.

Als Spieler kann man auf ihre Sextings eingehen oder sie komplett ignorieren. Je nach Antwort wird man auf einer Art Karma-Anzeige gelistet, welche die Handlungen im Spiel, auch außerhalb des Sextings, bewertet. Hierdurch schlägt der Spieler bzw. der Protagonist einen moralisch guten oder bösen Pfad ein (Law and Chaos). Bei den Antworten muss man sich immer bewusst sein, dass man schon eine feste Freundin namens Katherine hat, welche das genaue Gegenteil von Catherine wiederspiegelt, da sie sehr bodenständig und rational auftritt. Diese Einordnungen wirken sich auf die Geschichte des Spiels aus und ermöglichen dem Spieler das Freischalten von bis zu neun Enden.
Schon zu Beginn bekommt Vincent eine Nachricht eines unbekannten Absenders (Catherine) mit der Frage, ob er ihre Nachricht bekommen hat. Wenn man es bestätigt, will sie ihm ein Bild von ihr senden. Anhand der Wortwahl kann man vermuten, dass es sich um ein Nacktbild handelt. Gegen Ende des Spiels bekommt man eine Nachricht, in der sich Catherine auf einem Foto als nacktes Geschenk präsentiert, symbolisiert mit einer riesigen roten Schleife.

Obwohl man aus moralischer Sicht auf diese Nachrichten nicht eingehen sollte, kitzelt das Spiel die Neugier des Spielers heraus und lässt ihn fast ausschließlich den bösen Pfad wählen, da die Auswirkungen der Antworten keine Angst vor möglichen Konsequenzen versprühen und dem Spieler mit Nacktbildern von Catherine belohnen. Lediglich am Ende der Story und in einigen wenigen Handlungsabschnitten machen sich diese Entscheidungen bemerkbar. Das Spiel ist so konzipiert, dass es mehrfach durchgespielt werden kann. Hierdurch können verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten sowie ihre entsprechenden Konsequenzen innerhalb der Handlung offengelegt werden.

© Fabian Thoma // Wintersemester 2017/2018

Pädophilie?

Pädophilie bezeichnet das sexuelle Interesse von Erwachsenen an Kindern vor Erreichen der Pubertät. Der Charakter Catherine besitzt Hentai-Anleihen und kann aus unserer westlichen Sicht mit dem Begriff „Pädophilie“ in Verbindung gebracht werden. Sie ist eine 22-jährige weiße, äußerlich eher westlich geprägte Frau, welche eine sexuelle Beziehung mit dem Hauptcharakter Vincent eingeht. Sie wird durch ihre Darstellung im Videospiel teilweise verniedlicht und soll somit auch jünger erscheinen. Dies wird vereinzelt durch ihr unschuldiges Auftreten sowie der Wahl ihrer kindlichen Frisur hervorgebracht. Ansonsten ist Catherine körperlich, sowie geistig auf dem Level einer erwachsenen Frau. An vereinzelten Stellen im Spiel versucht sie jedoch durch kindliche Phrasen niedlicher zu wirken.

Im Remake „Catherine: Full Body“, welches im Winter 2018 erscheinen soll, erscheint jedoch der neue Charakter „Rin“, der dem kindlichen Bild deutlich näher angesiedelt scheint. Da sie eine der drei Liebesinteressen im Spiel sein soll und sie körperlich eher in Richtung Kind als Erwachsene neigt, könnte man in diesem Fall vielleicht von Pädophilie ausgehen. Momentan gibt es außerhalb von einer kleinen Vorschau keine weiteren Informationen zu dem Spiel oder ihrem Charakter.

Monogamie vs. Polygamie?

Katherine, Catherine oder vielleicht sogar beide?

Diese Frage muss sich Vincent Brooks stellen. Mit Katherine ist er bereits fünf Jahre in einer Beziehung, als die 10 Jahre jüngere Catherine in sein Leben tritt. Als er eines Morgens neben ihr aufwacht, realisiert er was er getan hat – er hat seine Freundin betrogen. Im Verlauf des Spiels quält ihn jetzt die Frage, wie er damit umgehen soll.

Das Spiel setzt sich mit Polygamie und Monogamie auseinander. Der folgende Abschnitt dieses Dossiers beschäftigt sich mit der Darstellung und der Bewertung beider Konzepte.

Monogamie beschreibt eine Zweierbeziehung zwischen zwei Menschen. Dem gegenüber steht die Polygamie, die wiederum definiert, dass ein Individuum mit mehreren anderen Menschen sexual aktiv ist.

Vincent Brooks ist zu Beginn des Spiels seit fünf Jahren in einer Beziehung, als ihn die ersten Alpträume heimsuchen. Zu diesem Zeitpunkt zweifelt er bereits an seiner Beziehung. Er sieht sich noch nicht bereit mit Katherine eine Familie zu gründen. Am darauffolgenden Tag lernt er in der Bar Catherine kennen. Die junge Frau verdreht ihm den Kopf und am nächsten Morgen wacht er neben ihr auf. Vincent muss sich nun mit der Frage quälen, zu welcher Frau er halten möchte, oder ob er sogar damit durchkommen könnte, wenn er seine Affäre geheim hält.

Im Verlauf des Spiels kommt er jedoch immer mehr zu dem Schluss, dass es so nicht weitergehen kann und dass er sich zwischen den beiden Frauen entscheiden muss. Ihn plagen Gewissensbisse. In späteren Spielabschnitten sind nur noch wenige bis gar keine Anspielungen zur Polygamie vorzufinden. Die Enden, die neutralen Enden ausgeschlossen, beschäftigen sich nur mit der Beziehung von Vincent und einer der beiden Frauen. Lediglich Catherines true Ending weißt polygame Merkmale auf, dort legt das Spiel jedoch den Fokus auf Catherine und Vincent.
Zwischen den Alpträum-Leveln muss Vincent Fragen beantworten. Einige Fragen beschäftigen sich mit der Einstellung des Spielers gegenüber Mono- bzw. Polygamie. Beispielsweise wird erfragt: würdest du mit jemandem ausgehen, der bereits verheiratet ist, oder hast du deinen Partner schon einmal betrogen?

Abschließend soll nun geklärt werden, wie Mono- und Polygamie im Spiel bewertet werden.
Polygamie wird in Catherine fast ausschließlich als etwas Negatives bewertet. Viele Charaktere der Geschichte sprechen sich gegen Fremdgehen und Polygamie aus. Der einzige Charakter, der Polygamie nicht gänzlich als etwas Negatives betrachtet ist Orlando, Vincents langjähriger Freund und Aushilfsseelsorger. Orlando ist geschieden und wurde betrogen, seitdem hat er seinen Lebensstil geändert und will sich nicht mehr binden. Dennoch hegt er Groll gegenüber seiner Ex-Frau, was Polygamie erneut als etwas Negatives darstellt. Vincents andere Freunde und Bekannte haben zwar unterschiedliche Ansichten zu Polygamie, dennoch sind alle eher als negativ einzustufen. Sogar seine dämonische neue Bekannte Catherine spricht sich gegen Betrügen aus und droht Vincent zu verletzen, wenn er einen Seitensprung unternehmen sollte.

„Vincent … You can live however you want, too… Just so long as you never think of cheating on me“ -Catherine

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Debatte um Monogamie bzw. Polygamie nur einen kleinen Teil des Spiels einnimmt. Vincent beschäftigt sich nur wenige Momente mit dem Gedanken, mit beiden Frauen gleichzeitig Beziehungen führen zu können. Dem Spieler wird ebenfalls nahegelegt, dass Polygamie etwas Negatives darstellt. Das Spiel fokussiert sich jedoch eher darauf, für welche Frau sich Vincent entscheiden soll.

© Joel Beyer // Wintersemester 2017/2018

Ehe

Bei der Behandlung des Themas Ehe in „Catherine“ spielt eine zentrale Rolle, ob der Protagonist sich langfristig an seine Partnerin binden möchte. Sein Zwiespalt zwischen Zuneigung und Bindungsängsten manifestiert sich in der Frage: „Soll Vincent seine Freundin heiraten oder nicht?“

Die beginnt gleich zu Anfang, das Thema Heirat zu eröffnen. Vince unterbindet diesen Dialog, bevor er wirklich starten kann. Nichtsdestotrotz befindet er sich damit in einer Drucksituation, die Ausgangspunkt für die moralischen Fragen im Spiel werden. Grundsätzlich funktioniert die Ehe als Mittel der Bindung, ähnlich wie im weiteren Verlauf eine mögliche Schwangerschaft von Katherine.

Ein Element im Gameplay, indem die Ehe immer wieder Gegenstand einer moralischen Auseinandersetzung ist, befindet sich mit dem Beichtstuhl am Ende von Puzzle-Episoden. Dort ist die Bewertung von Antworten klar verteilt. Zwar wird dem Spiel die Entscheidung überlassen, die Ehe zu bewerten. Doch durch das Bewertungssystem der Antworten konnotiert das Spiel die Institution positiv.

So wird die Ehe synonym mit einem sicheren und stetigen Leben verwendet. Daher verursachen Antworten, die die Institution Ehe befürworten grundsätzlich im Moralkompass einen Ausschlag Richtung „Law“. Vince selbst sieht zu Beginn des Spiels die Ehe als Gefängnis. Direkt nach seinem ersten Seitensprung empfindet der Protagonist Reue. Dennoch bleibt der Ausbruch aus der Beziehung mit Katherine, an deren Ende eine Hochzeit steht, weiter eine Option. Je nach Spielart können sich unterschiedliche Konsequenzen ergeben.

Würden Sie jemanden daten, der verheiratet ist?

Ich bin kein Betrüger

Warum nicht?

© Michael Swoboda & Niklas Tröschel // Wintersemester 2017/2018

Beziehung

Catherine und Katherine sind im Spiel die wichtigsten Bezugsperson für Protagonist Vincent. Dabei stellt nicht nur Katherine als langjährige Partnerin die Vorstellung von einer Liebesbeziehung fest. Nach dem ersten Seitensprung forciert Catherine ebenfalls eine Beziehung mit Vincent. Dabei werden einige moralische Pfeiler relativ schnell deutlich. Während Vincent sich für das Betrügen seiner Freundin schuldig fühlt, macht auch Catherine am zweiten Morgen schnell klar, dass Vincent tun kann, was er will, solange er sie nicht betrügt. Später droht sie ihm sogar im Fall der Untreue mit dem Tod. Später ändert sie scheinbar ihre Haltung. Als Vincent ihr von seiner Partnerschaft erzählt, zeigt sie sich bereit, die Beziehung polygam weiter zu führen, solange sie die „Nummer 1“ bleibt. Treue und dementsprechend Monogamie scheint für das Spiel nichtsdestotrotz ein zentraler Eckpfeiler für eine zu befürwortende Beziehung zu sein. Denn auch die Entscheidungsfragen im Beichtstuhl drehen sich häufig um das Thema Treue.

Jemand gräbt Ihren Partner an! Was machen Sie?
Law: Dem Partner vertrauen // Chaos: Dazwischen gehen

Hier zeigt sich, dass Treue und damit einhergehendes Vertrauen positiv bewertet werden. Grundsätzlich sollen negative Aspekte einer Beziehung nicht gleich zum Anlass für dessen Ende genommen werden. Klare Grenze ist dabei ein Verhältnis zu einer dritten Person.

Ihr Partner betrügt Sie. Was machen Sie?
Law: Die Beziehung beenden // Chaos: Auch betrügen

Hier scheint selbst das Bemühen um den Partner als „chaotisch“.

Wie beenden Sie eine Beziehung?

Einfach raus mit der Sprache

Langsam abkühlen lassen

© Michael Swoboda & Niklas Tröschel // Wintersemester 2017/2018

Alkohol

Seitdem Vincent Catherine getroffen hat, scheint sein Leben aus den Fugen zu geraten. Den Stress, kurz vor einer langfristigen Bindung zu stehen und gleichzeitig die Beziehung mit einer Affaire zu gefährden, versucht der Protagonisten über weite Strecken des Spiels mit einem einfachen Mittel zu kompensieren: Er trinkt.

Nicht umsonst findet das Rollenspiel hauptsächlich in einer Bar statt. Dort kann Vincent so viel Alkohol bestellen, wie er möchte. Dabei wählt er zwischen Sake, Bier, Cocktails und Whiskey aus. Je nachdem was „Vince“ verlangt, bietet das Spiel Informationen zum Getränk. Von Anleitungen für bestimmte Cocktails bis zu Erläuterungen zum Begriff „Bierbauch“. Nimmt er dann einen kräftigen Schluck, hat das einen kurzfristigen Effekt. Die Einnahme des Getränks lässt ihm über sein aktuelles Problem reflektieren. An sich selbst gerichtet schmiedet er meist einen Plan für den kommenden Tag. Im weiteren Verlauf lösen sich seine meist guten Vorsätze jedoch häufig in Luft auf.

Kämpft Vincent nachts in seinen Träumen ums Überleben, spielt der zuvor konsumierte Rolle ebenfalls eine entscheidende Rolle. Eine Anzeige in Flaschenform gibt Auskunft über den Grad der Alkoholisierung. Drei Flaschen sind das Maximum. Vincent kann zwar mehr trinken, der Effekt bleibt jedoch gleich: Je mehr Alkohol er intus hat, desto schneller bewegt er sich von Block zu Block. Viele Fallen können mit schneller Reaktion überlistet werden. Schnellere Bewegung ist da entscheidender Vorteil.

Zwar spielt Alkohol bei „Catherine“ nur eine untergeordnete Rolle. Es ist dennoch nicht zu unterschätzenden auf wie vielen Ebenen Alkohol einen positiven Effekt auf das Leben des Protagonisten hat. Tagsüber lässt er Vincent seine Probleme in Ruhe Revue passieren, nachts kann es ihm durch schnellere Bewegungen das Leben retten. In den Zwischensequenzen nimmt „Vince“ ebenfalls eine ganze Reihe von Getränken zu sich. In Panik vor der anstehenden Lebensentscheidungen greift er beherzt zu. Bedenklich dabei ist nicht das Vorhandensein von Alkohol an sich, oder die in Teilen durchaus interessanten Infotexte zu Getränken, die im täglichen (oder nächtlichen) Leben durchaus eine Rolle spielen können. Zu kritisieren ist das Ausbleiben von negativen Konsequenzen bei übermäßigen Konsum. Ein leicht debiler Laufstil in der Bar ist der einzige Effekt auf Vincent. Was er tut oder sagt bleibt unbeeinflusst. Alkohol als einen Teil der Spielwelt zu integrieren ist legitim, in der realen Welt ist es nicht anders. Doch in „Catherine“ wir eine Art Trinkkultur zelebriert – negative Konsequenzen werden dabei weitestgehend ausgeblendet.

Schnell! Sie sind nackt! Wo verstecken Sie sich?

Egal wo

Ich verstecke mich nicht

© Michael Swoboda & Niklas Tröschel // Wintersemester 2017/2018

Sex

Das Thema Sex nimmt bei dem Spiel eine große Rolle ein. Oft spürt der Spieler die Sehnsucht der Hauptfigur nach der körperlichen Liebe. Das Spiel hinterfragt vor allem die Motivation für Sex.

Beispielsweise bei der Frage:

Könnten Sie sich vorstellen, Sex mit einem attraktiven Geist zu haben?
Law : Keine Geister bitte // Chaos: Warum nicht?

Bei einem „ja“ wird Vincent näher ans Chaos geführt. Sex zur reinen Befriedigung der Gier hat für den Charakter also negative Konsequenzen. Somit ist zu vermuten, dass eine monogame Beziehung als fördernd angesehen wird. Der Eindruck verstärkt sich bei nach genannter Frage:

Ihr Partner betrügt Sie. Was machen Sie?
Law: Die Beziehung beenden // Chaos: Auch betrügen

Allerdings bezieht sich das Spiel nicht nur auf die reine Ausübung der körperlichen Liebe, sondern auch schon auf die Gedanken und die reine Lust auf den Beischlaf. So muss der Spieler häufig entscheiden, ob Vincent den Verführungen von Catherine widersteht oder ihnen verfällt. Sie agiert häufig als Sirene, wenn sie Bilder schickt und Vincent entscheiden muss ob er sie öffnet oder wenn sie eindeutige Angebote gemacht. Allein der Gedanke auf die Angebote einzugehen, wird als chaosfördernd eingestuft.

Daher überrascht auch folgende Frage nicht:

Welche Art der Untreue ist schlimmer?
Law: Emotionale Untreue // Chaos: Körperliche Untreue

Die Suche nach einem Abenteuer und die Lust auf eine risikoreiche Affäre ist der Motor für die Beziehungskrise, in der sich Katherine und Vincent befindet.

Rollenspiele im Schlafzimmer. Ja oder Nein?

Ohne Mich

Kann Spaß machen

© Michael Swoboda & Niklas Tröschel // Wintersemester 2017/2018